Grave

11 - Die Gräber

Wir befinden uns hier in einer scheinbar unberührten Berglandschaft. Aber wenn man genauer hinschaut sieht man, dass viele Steine von Menschen in bestimmten Formationen aufgetürmt wurden. Dies ist der alte Friedhof der Inuit aus der Zeit vor der Verbreitung des Christentums in Grönland, beginnend im 18. Jahrhundert. Hier wurden 140 Gräber gezählt und registriert und jedes Grab kann mehrere Verstorbene aufnehmen. Es ist ganz normal, hier im Berg oberhalb der alten Siedlung Gräber zu finden. Die Toten wurden häufig mit Panoramablick bestattet. Auf diese Weise würdigten die Inuit ihre Toten. Man erwies den Verstorbenen damit Respekt, indem man ihnen den besten Platz für die letzte Ruhe gab.

In vorchristlicher Zeit hatten die Inuit die Vorstellung, dass jeder Mensch aus drei Elementen besteht: einem Körper, einer Seele und einem Namen. Im Falle des Todes würde die Seele entweder in eine Welt im Himmel oder im Meer wandern – beide Orte waren gute Orte und man sollte diese nicht mit den Vorstellungen anderer Religionen von Himmel und Hölle bzw. Gut und Böse verwechseln.

Der Leichnam des Toten wird begraben und vergeht, aber der Name wird an Neugeborene weitergegeben und somit Teil einer Reinkarnation. Diese Tradition, den Namen weiter an ein Neugeborenes zu geben, hat noch heute in Grönland Tradition. Es ist eine der Traditionen, die die grönländische Gesellschaft auf sozialer Ebene sehr eng miteinander verbindet.

Mit dem Beginn des Christentums im 17. und 18. Jahrhundert ging man zur Bestattung in Särgen über. In einigen Fällen finden wir auch Särge in sehr alten Gräbern aus dem 17. Jahrhundert. Diese stammen vermutlich von europäischen Walfängern und Händlern.

Heute können Sie mehrere christliche Friedhöfe in und außerhalb von Ilulissat finden - der jüngste auf dem Weg zum Flughafen.

Alle Gräber sind aufgrund des grönländischen Denkmalschutzgesetzes geschützt. Halten Sie daher bitte einen Abstand von zwei Metern zu allen Gräbern. Berühren Sie niemals Steine oder lehnen Sie sich über die Gräber um hineinzuschauen. Bitte erweisen Sie den Toten Respekt und achten Sie die Wertvorstellungen der einheimischen Bevölkerung.

Wir sind nun auf dem Rückweg zum Isfjord-Center. Folgen Sie den blauen Markierungen. Unser letzter Halt wird bei Holms Bakke oder Seqinniarfik sein, wo sich die Menschen jedes Jahr am 13. Januar versammeln. Erfahren Sie mehr darüber und über den besonderen Gast, der genau an diesem Tag eintrifft.

UNESCO - Audio Guide auf Deutsch (39 min.)
  1. 1 - Begrüßung
  2. 2 - Die Geologie
  3. 3 - Die Pflanzenwelt
  4. 4 - Die Tierwelt
  5. 5 - Die ehemalige Siedlung
  6. 6 - Das Gemeinschaftshaus
  7. 7 - Die Steinzeit
  8. 8 - Die Kællinge-Schlucht
  9. 9 - Das Eis
  10. 10 - Dorset Zeltring
  11. 11 - Die Gräber
  12. 12 - Holms Bakke
  13. 13 - Über unsere Arbeit